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Artikel im Ostschweizer
Magazin Anzeiger vom Sonntag, 28. Juni 2009
Der
Landbote, 15. August 2008
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Videoclub: Leinwand frei für die Freizeitfilmer
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Ist das erste Kind da, fangen viele Väter mit Filmen an. Deshalb
besteht der Video-Club Winterthur vor allem aus Männern. Frauen
und Filmer-Nachwuchs fehlen.
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Bild: mad
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Ferien in den Bergen: Im Zentrum Töss betrachten die
Filmer ihre Werke.
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Peter Fritsche
Das Reka-Feriendorf in Hasliberg. Die Mutter zieht einem der
beiden Söhne die Hosen hoch. Dann sieht man die Kinder auf dem
Wanderweg, auf der Schaukel, beim Würstebraten. Papa macht den
Kameramann. Die traditionelle Rollenverteilung, wie Rolf Diehl
sagt: «80 Prozent der Männer fangen nach der Geburt des ersten
Kindes mit Filmen an.» Diehl ist Präsident des Videoclubs
Winterthur und heute ist «Jekami-Abend» im Klublokal, dem
«Eiger»-Saal im Zentrum Töss. Das heisst, jeder kann mitnehmen,
was er vor Kurzem oder auch schon vor längerer Zeit mal
aufgenommen hat. Fast alles ist möglich. «Sex und Horror
tolerieren wir hier nicht.» Der Beitrag darf auch die
Maximallänge von 25 Minuten nicht überschreiten. Ein zu
grosszügiges Limit, wie sich herausstellt, denn 14 Videos wurden
mitgebracht und warten auf eine Präsentation und das Feedback
der rund 40 Zuschauer. «Ziel ist, etwas zu lernen oder sich zu
verbessern», sagt der Klubpräsident.
Die Liebe als Comic-Frau
Das Ferienvideo aus Hasliberg wird wohlwollend aufgenommen.
«Sehr nett, so als Ferienfilm.» Auch die vielen Nahaufnahmen
erhalten Lob. Ein Tipp jedoch: «Blende auf, sonst wird der Kopf
schwarz.» Der Kommentar zum darauffolgenden Musikvideo: «No
glatt.» Es handelt sich um einen Popsong, interpretiert von
einem jungen Mann, der auf dem herbstlich laubübersäten
Waldboden sitzt, die Gitarre in der Hand. Die besungene Liebe
erscheint als Comic-Hologramm vor dem Baum gegenüber. Auf
Nachhaken des Präsidenten wird dann doch noch etwas Kritik laut:
Die Comic-Frau sei nicht wirklich gut ins reale Bild eingefügt
worden.
Ein weiterer Film zeigt ausgiebig die technische
Weiterentwicklung von Maispressmaschinen. Offensichtlich eine
Werbeproduktion für ein geneigtes Fachpublikum, unterlegt mit
einem unspezifischen Dudelmusikteppich. Da wohl die wenigsten im
Saal mit den Geheimnissen des automatischen Maispressens
vertraut sind, kommentiert der Filmemacher das Ganze live aus
dem abgedunkelten Saal. Der fehlende Originalton im Film ist
denn auch etwas, was die Runde bemängelt.
Es ist vor allem Dokumentarisches, das hier vorgeführt wird.
Eine Ausnahme macht Raffael Greminger aus Frauenfeld. Er
präsentiert zwei Einminüter mit gespielter Handlung und einer
Pointe. Das kommt an: «Woher nimmst du immer diese verrückten
Ideen?», will einer wissen. Greminger ist mit seinen 20 Jahren
mit Abstand das jüngste Klubmitglied. Ihn stört das nicht im
Geringsten: «Ich habe hier viel gelernt, und nun bin ich so
weit, dass ich den Leuten etwas beibringen kann», sagt der
Elektronikerstift. Auch das einzige weibliche Klubmitglied im
Saal, Margrit Walther aus Brütten, hat kein Problem, in der
Minderheit zu sein: «Die Atmosphäre ist gut und ich kann vom
Wissen der anderen profitieren», sagt sie.
Weiterbildungen vom Klub
Dennoch wünscht sich Klubpräsident Diehl mehr Frauen und mehr
Junge. Er macht sich aber keine Illusionen: «Die Schweizer
Filmklubs sind generell überaltert. Die jungen Leute machen wohl
Filme, sie zeigen sie aber anderswo.» Auch an Trickfilmen sei
man interessiert. Der Klub organisiert regelmässig
Weiterbildungen zu bestimmten Themen und vermittelt Schnitt- und
Nachvertonungsmöglichkeiten. Auch reist man gemeinsam an
regionale, nationale und internationale Branchentreffs und
-wettbewerbe.
Inzwischen sind über zwei Stunden vergangen. Auf der Leinwand
sind Bilder von Strand und Meer zu sehen, im Wechsel der
Jahreszeiten. Das ist zwar schön, aber für manche Zuschauer
etwas langfädig. «Um die Hälfte kürzen», so das harte, aber
ehrliche Urteil. Der Strandfilm ist erst die Nummer 9 von 14.
Doch Rolf Diehl entscheidet, dass für heute Feierabend sei. Das
«Jekami» wird an einem anderen Abend fortgesetzt. Und im
Tössemer «Eiger»-Saal gehen die Lichter wieder an. lPETER
FRITSCHE
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Der Landbote, 2.
November 2004
Videoclub
Amateurfilmer mit
Ehrgeiz
Der Videoclub hat einen
Clubwettbewerb veranstaltet. Zehn Autoren präsentierten dabei ihre
20-minütigen Streifen.
Im dunklen Saal ist es
fast schon andächtig still. Ungefähr dreissig Leute verfolgen auf der
Leinwand die Impressionen einer Amerika-Rundreise. Der Club „Film- und
Video Autoren Winterthur“ veranstaltet heute seinen Clubwettbewerb, zehn
Autoren mit ihren Produktionen stellen sich der Jury.
„Senioren-Rabatt haben wir auch noch bekommen“, ertönt ein Kommentar
aus den Lautsprechern, was im Publikum Lacher erzeugt. In den
Stuhlreihen, sitzen vornehmlich ältere Leute. Der Videoclub hat ein
Überalterunsproblem.
Präsident Rolf Moser hat
sich schon oft gefragt, warum nicht mehr 30- bis 40- Jährige den Weg zum
Videoclub finden. Denn anders als früher sind die Kameras heute
erschwinglich, fast jeder hat eine daheim im Schrank stehen. Er
vermutet, dass viele Leute gar nicht bereit sind, sich zu engagieren.
Oft sei den Hobbyfilmern auch nicht bewusst, dass ein Ferienvideo für
ihn selbst vielleicht spannend sei, „aber der Nachbar schläft vor dem
Fernsehapparat ein“, so Moser.
Der Club „Film- und
Video Autoren Winterthur“ besteht seit 47 Jahren und zählt 94 aktive
Mitglieder. Die Mitglieder haben die technologische Entwicklung hautnah
miterlebt. Früher habe der Club noch mit 8-Millimeter-Filmen gearbeitet,
dann kam das Video. In den letzten paar Jahren hätten dann fast alle auf
digital umgesattelt. An den Clubabenden des Vereins werden Erfahrungen
ausgetauscht, oder gemeinsam Filme angeschaut, danach gibt es eine
Beurteilungsrunde. Der einzige Film in der Kategorie Dokumentarfilm
wurde von Rolf Moser selber produziert. Er hat den Pfeifenraucherclub
Winterthur zu einem Wettbewerb begleitet. Genau drei Gramm Tabak sollen
gepafft werden, und zwar so langsam wie möglich. Die Idee und die
Umsetzung wirken überzeugend, der Beitrag ist witzig und unterhaltsam.
Handlungsstarke Bilder
Auch das Zusammenspiel
von Text und Bild ist ein Bewertungskriterium. Bei den Reisefilmen
lassen aber Kommentare wie „Diese Eindruckskraft der schroffen
Felswände“ oder „Liebevolle Details möchten da beachtet und bewundert
werden“, die Vermutung aufkommen, dass der Filmer der Prägnanz seiner
Bilder oder Dem Auge des Betrachters nur wenig Vertrauen schenkt. Der
Beitrag von Max Hänsli mit dem Titel „Vieles ist anders“ fällt aus dem
Rahmen. Die Bilder aus Südkorea sprechen für sich, der Kommentar bleibt
aus. Hänsli arbeitet mit Ton, indem er bei handlungsstarken
Bildern den Pegel des Geräuschs verstärkt, ansonsten werden die Bilder
mit passender Musik unterlegt. „Eine Bombe“, findet Juror Roger
Kummer gleich nach der Präsentation.
Einer der wenigen
„jungen“ Beiträge kommt von Raffael Gremminger in der Kategorie
Spielfilm und heisst „Marco Bond, mit der Lizenz zum Löten“. Frauenfeld
soll ausgelöscht werden. Roger Kummer amüsiert sich bestens, „matrixmässig“,
urteilt er. Die Anlehnungen an „The Matrix“, James Bond und den 11.
September sind unverkennbar, die Computeranimationen erinnern an
Videospiele. „Ein typischer Jungfilm“, kommentiert ein
Jurymitglied, Kummer findet die Bewertung bei diesem Film besonders
schwierig: „einerseits ist er erfrischend und frech, weist aber
offensichtlich technische Mängel auf.“
Sieger steht erst später
fest
Inzwischen wurden alle
Streifen vorgeführt, die Jury zieht sich zurück. Mosers Favorit heisst
„Die Flamme“ von Martin Sollberger und besticht durch seine grossartige
schauspielerische Leistung und die Pointe am Schluss. Der Sieger wird
aber erst am nächsten Clubabend im Dezember verkündet. Die zwei besten
Filme werden dann am Regionalen Filmfestival gezeigt. (etr)
Winterthurer Woche - 22. August 2002
Der Film- und Videoautoren-Club verbindet Gleichgesinnte
Musikclip statt Langeweile
Ferienvideos sind oft lange, verwackelt oder öde. Nicht so bei
Clubmitgliedern der Film- und Videoautoren Winterthur. Mit Erfahrung,
Geduld und der richtigen Technik entstehen spannende, originelle Filme.
cm. Der Sandstrand ist
schneeweiss und das türkisfarbene Meer spiegelglatt. Leise wird im
Hintergrund karibische Musik eingespielt, die Kamera schwenkt auf zwei
Schnorchler, die mit Flossen an den Füssen ins Meer watscheln und gleich
darauf im Zeitraffer-Tempo wieder zurück.
So beginnt einer von vielen Ferienfilmen von Rolf Moser. Seit
dreieinhalb Jahren ist er Mitglied des Film- und Videoautoren-Club
Winterthur (FVAW). Und seit rund einem Jahr präsidiert er den Verein.
«Davor war ich normaler Hobby-Filmer», erzählt Moser. «Aber nicht
lange», hängt er an.
Ein Club für Hobby-Autoren
Schon kurz nach dem Kauf seiner Videokamera habe er gemerkt, dass die
Filme viel zu langweilig seien. Darum belegte er einen Kurs in einer
Klubschule. Dort lernte er seine Kamera besser kennen und verschiedene
Kniffs wie gute Bilder gelingen. «Danach konnte ich zwar gut mit der
Kamera umgehen, doch die Filme waren immer noch viel zu lang.»
Durch den Kurs erfuhr Rolf Moser vom Film- und Videoautoren-Club. In
diesem Verein treffen sich Hobby-Filmer zum Austausch (siehe Kasten).
Filme werden gemeinsam angeschaut und Vorschläge zu Verbesserungen
gemacht. Die Mitglieder arbeiten zuhause auf Schneidstationen, am PC
oder mit zwei Videorecordern, was aber am aufwändigsten ist.
Schon nach wenigen Kursabenden stand für Moser fest, dass er, um
spannende Filme zu gestalten, ein Casablanca (digitales
Filmbearbeitungsgerät) benötigt. Mit diesem Gerät, das an einen
Fernsehbildschirm angeschlossen wird, wird der Rohfilm bearbeitet. «Ich
kann schneiden, vertonen, Titel einblenden, Übergänge gestalten und auch
Tricks in die Filme einbringen», sagt Moser.
Die Clubmitglieder arbeiten zuweilen auch mit Special Effects. An einem
Filmabend zeigte ein Clubkollege aus einem befreundeten Zürcher Club
eine spezielle Produktion: Dick in Winterkleider eingepackt, flitzt ein
älterer Herr auf Skiern in halsbrecherischem Tempo den Hang hinunter,
verschwindet aus dem Bild, und kehrt kurz darauf mit einem verbundenen
Arm zurück. Diesen Film habe er mit Hilfe einer blauen Wand produziert,
erklärt der Filmer. «Es sind fast keine Grenzen gesetzt», sagt Rolf
Moser.
So kann aus einem Ferienfilm auch mal ein kurzer
Videoclip entstehen. Moser kürzte
einen 20-minütigen, unbrauchbaren Ferienfilm, den seine Töchter gedreht
hatten, zu einem 3-minütigen, attraktiven Videoclip mit Musik von
Jennifer Lopez. «Es war eine besondere Herausforderung, die Szenen im
Takt der Musik zu schneiden», sagt Moser. Das Lied von Lopez kann er
nach der aufwändigen Arbeit aber nicht mehr hören.
Überfahrene Kamera
Eines der wichtigsten Gebote im Club ist: «In der Kürze liegt die
Würze.» Man dürfe auf keinen Fall Angst haben, die Szenen so kurz wie
möglich zu halten, rät Moser. Nur so werde der Film spannend. «Was für
Betroffene interessant scheint, ist für fremde Zuschauer meist nur
langweilig», weiss er.
Langweilig sind seine Filme nicht mehr. Dafür tut er einiges. Denn auch
die beste Bearbeitung hilft nichts, wenn das Rohmaterial schlecht ist.
«Auf einer Reise wollte ich etwas ganz Besonderes versuchen», erzählt
Rolf Moser und lacht dabei. Er habe mit dem Auto über die Kamera fahren
wollen, um einen speziellen Effekt zu erzielen. Gelungen ist es ihm
nicht ganz. Denn das Miet-Auto war tiefer als er dachte. Die Kamera
wurde vom Chassis weggeschleudert. «Sie hat ausser ein paar Kratzern
nichts abbekommen», sagt Moser. Und «Schade, dass sie durch den Aufprall
ausschaltete, das hätte sicher tolle Bilder gegeben.»
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Vom Super-8- zum DV-Film
cm. Der Film- und Videoautoren-Club Winterthur wurde vor
44 Jahren gegründet. Der Club zählt rund 80 Mitglieder. Während
früher mit Super-8- Filmen gedreht wurde, stehen heute die
Videoformate DV oder Mini DV im Vordergrund. Ziel der Mitglieder
ist es, Tipps und Ideen auszutauschen, wie Filmrohmaterial zu
interessanten Beiträgen verarbeitet werden kann. Dazu werden die
Filme mit speziellen Computerprogrammen oder an einer
Casablanca-Schneidstation bearbeitet. An regelmässigen
Clubabenden lassen die Mitglieder ihre Filme von ihren Kollegen
bewerten. Ebenfalls werden Wettbewerbe veranstaltet, Workshops
durchgeführt und Neuheiten vorgestellt. Auch werden Beiträge zum
Thema Video, im technischen, gestalterischen oder
zukunftsweisenden Bereich gezeigt.
Die Clubmitglieder finanzieren mit dem Mitgliederbeitrag nicht
nur die Räumlichkeiten, sondern auch die Gebühren bei der Suisa
für Urheberrechtsansprüche bei der Verwendung von Tonträgern für
die Nachvertonung. Auf Wunsch erhalten die Mitglieder auch einen
offiziellen Swiss-Movie-Filmerausweis. Der Ausweis des
gesamtschweizerischen Verbandes bring Vorteile bei Sport- und
anderen Veranstaltungen.
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28. Juni 2009
Video ab
in Frauenfeld
Filmen aus Leidenschaft: Raffael Greminger produziert am liebsten
Kurzfilme und Videoclips,
und er kommt an beim Publikum.

von Sebastian Keller
Amateurfilmer sind reifere Herren, die nächtelang in dunklen Zimmern
an Filmchen herumbasteln. . . So falsch ist das Klischee nicht, nur dass
Raffael Greminger gerade mal zwanzig ist. «Gelegentlich wirds schon
spät», kommentiert er die landläufige Meinung über Amateurfilmer.
Raffaels Lebensmittelpunkt ist das beschauliche Frauenfeld, wie sich
im Verlauf des Gesprächs herausstellt: Schule, zehntes Schuljahr, jetzt
Lehre zum Elektroniker – alles in Frauenfeld. Zur Arbeit fährt er mit
dem Velo, die Hausschuhe an den Füssen; den anzeiger-Termin nimmt er in
der Mittagspause wahr.
Auf den Film gekommen
Raffael hatte zum erstenmal eine Kamera in der Hand, als er in der
Oberstufe aus den selbst geschriebenen Songs der Mitschüler Videoclips
drehen durfte. «Das hat irrsinnigen Spass gemacht und das Publikum
reagierte positiv», so Raffael. Das Interesse fürs Filmen wuchs stetig:
«Das zehnte Schuljahr hielt ich filmisch fest.» Wobei hier angemerkt
sei, dass Raffael nicht nur filmt, er plant, organisiert die
Schauspieler, schneidet und vertont die Filme auch – das ganze Programm.
Um seine filmerischen Fertigkeiten zu verbessern, verlässt er von
Zeit zu Zeit sogar seine Heimatstadt und reist nach Winterthur. Dort ist
er das jüngste von etwa 80 Mitgliedern des Videoclubs Winterthur. Leute
aus allen Altersschichten tauschen sich über ihr Hobby aus und
begutachten gegenseitig ihre Filme. Auch finden Themenabende und
Workshops statt, in denen Verschiedenstes behandelt wird, wie
beispielsweise Schnitttechnik. Der Videoclub ist nahezu eine
Männerbastion: «Die Frauen könnten es auch, aber vielleicht fehlt ihnen
der Mut», nimmt Raffael an.
Der Videoclub veranstaltet jährlich eine Vorausscheidung für das
Schweizerische Film- und Videofestival in Spiez. Dieses Jahr hat Raffael
mit seinem Videoclip «Time That Counts», den er für einen befreundeten
Musiker realisiert hat, den ersten Platz belegt und ist damit für Spiez
qualifiziert. Das nationale Festival findet vom 30. April bis zum 3. Mai
statt. Raffael rechnet sich durchaus Chancen aus: «Der Videoclip ist in
Englisch, das könnte der Jury gefallen.» Im Jahr 2005 hatte er als
Newcomer bereits den dritten Rang in Spiez belegt.
Faszination Film
Raffael ist vom Filmemachen begeistert: «Die Herausforderung, aus der
Idee im Kopf einen bildschirmfertigen Film zu machen, reizt mich.» Das
eigentliche Filmen, also mit der laufenden Kamera auf Achse zu sein, ist
ihm das Liebste: «Es herrscht eine lustige Atmosphäre und wenn das ganze
Team mitzieht, ist es umso besser.» Als Schauspieler setzt er Freunde
und Bekannte ein – auch sein junger Bruder Nicola hat schon mitgespielt.
Für die Nachbearbeitung zieht er sich in sein Reich zurück: Er hat im
Elternhaus den Keller zum Filmstudio ausgebaut. Die Wände sind in warmem
Rot gestrichen, die Kellerkälte hält ein kleiner Elektroofen in Schach.
Modernstes Equipment steht auf dem Arbeitsplatz. Ist das alles mit dem
Lehrlingslohn bezahlt? Raffael klärt auf: «Das Geld, das ich mit
Filmaufträgen verdiene, fliesst in neue Technik.» Bei den Aufträgen
handelt es sich um Werbefilme, die er für seinen Lehrbetrieb oder die
Spitex Frauenfeld realisiert hat. «Zirka alle zwei Monate erhalte ich
einen Auftrag.»
Der Traum einer Werbeagentur
Sein Hobby möchte er dereinst zum Beruf machen. Nicht in Hollywood
oder beim Fernsehen, sondern bei einer Werbeagentur. «Mein Traum ist
eine eigene kleine Agentur.» Er ist aber realistisch: «Nach der Lehre
würde mich vorerst ein Praktikum bei einer Agentur reizen.» Doch auch
seinen Lehrberuf möchte er nicht missen; durch ihn erlangt er ein
vertieftes Technikverständnis. Bereits hat er einen Kamerakran oder
Beleuchtungen gebaut. Zurzeit realisiert er vor allem Kurzfilme und
Videoclips, die eine Laufzeit um die vier Minuten haben. «Eine Pointe in
kurzer Zeit darzustellen, ist die Kunst beim Kurzfilm», sagt Raffael.
Gibt es Vorbilder? Der Jungfilmer überlegt eine Weile. «Vorbilder im
klassischen Sinne habe ich keine, aber Michael Bay (‹Armageddon›) macht
gute Filme.» Und ins Kino geht der 20jährige sowieso nur selten; lieber
bastelt er an eigenen Produktionen herum. Oder diskutiert mit anderen
Amateurfilmern, wie man dies oder jenes noch besser lösen könnte. «Es
gibt noch vieles, das ich lernen muss», sagt er und steigt auf sein Velo
– die Mittagspause ist vorbei.
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